wälsch, welsch, adj.
romanisch, italienisch, französisch. eine ableitung von dem volksnamen Wahle (...), entsprechend ndl. waalsch 'wallonisch', ags. wielise 'keltisch, normannisch', engl. welsh, anord. valskr 'normannisch', schwed. välsk, dän. valsk, vælsk. 1) (...) die schreibung ist im älteren nhd. meist (mit e) welsch, wie auch alle wörterbücher vor Adelung haben (Kramer und Rondeau); dieser hat sich aus etymologischen gründen für wälsch entschieden, und so steht auch bei Wieland, Voss, meist bei Göthe in der ausgabe letzter hand (oft auch welsch) und vielen andern. doch ist durch die neue amtliche orthographie jetzt welsch vorgeschrieben. 2) im mhd. und älteren nhd. ist das wort im eigentlichen sinn durchaus gebräuchlich, und zwar ist als bedeutung die allgemeine von 'romanisch' anzunehmen, so dasz es entweder überhaupt den gegensatz zu deutsch bildet oder, auf eine der romanischen nationen gehend, für 'italienisch' oder 'französisch', seltener 'spanisch' oder 'rhätoromanisch' steht. vom 16. jahrh. an tritt die bedeutung 'italienisch' in den vordergrund (die erst gegen 1800 zu veralten beginnt), doch bleibt wälsch für 'französisch' landschaftlich üblich und wird auch in der allgemeinen schriftsprache gebraucht, wenn der gegensatz zu deutsch betont werden soll.
wendisch, windisch, adj.
'wendisch, slavisch', s. auch Winde, m.; ahd. windisc Graff 1, 892; (...), mnd. wendisch Schiller-Lübben 5, 669; mndl. wendisc, wendsk, wensc, weensc (neben windisc) Verwijs-Verdam 9, 2148; ne. wendish Murray 10, 2, 2, 317; schwed. vendisk Auerbach 1424; dän. vendiskordbog over det danske sprog 26 (1952) 1120.— im hd. wie Wende(s. dort) seit dem 15. jh. geläufig; älteres windisch(s. teil 14, 2, 309) zurückdrängend, doch bleibt dieses in ortsnamen und mundartlich — besonders im süden des dt. sprachgebietes — bis in die gegenwart erhalten. 1)'slavisch' (vgl. windisch3 teil 14, 2, 309; slauicus windischer[12. jh.] ahd. gl. 3, 429, 27 St.-S.; Sclauui windesche populus[anf. 15. jh.] Diefenbach nov. gl. 331ᵃ), zu ²Wende 1. a) besonders 'den slavischen bevölkerungsteilen in Ostdeutschland zugehörig', (...) im modernen sprachgebrauch, der entwicklung des substantivs entsprechend (vgl. Wende) 'sorbisch': "denn jeden abend (anf. 1945 in dem wendischen dorf Piskowitz bei Kamenz)war das, was wir die wendische spinnstube nannten, und worin eingeführt zu sein, uns als herzlichster vertrauensbeweis galt, sehr dicht besetzt" V. Klemperer l. t. i. (1949) 273. b)auf die sprache bezogen; sowohl 'slavisch': "alle sprachen sind vermischt und unter einander gemenget, denn die länder sind benachbart, und eins stöszt an das ander; darum borget eins vom andern etliche wort. die böhmische sprache ist der mehrer theil wendisch" Luther tischr. 1, 524 W.
Laubach. Heutigs Tags wird diese Statt auff Windisch Lublana und von den Welschen / von einem Julio, aber unrecht / wie besagter Lazius erinnert / Lubbiana, oder Lubiana, genant. Dann man allda 3. Sprachen / nemlich Teutsch / Welsch / und Windisch; und auff dem Lande herum meistentheils alles Windisch redet. Sie solle vor Zeiten gestanden seyn / wo jetzt die Glaßhütten ist. Ist fein erbaut / und sehr Volckreich / aber der Lufft ist sehr ungesund allda; ist auch die Statt wider Feindes Gewalt schlecht versehen / und gegen dem Wasser Laybach gar offen. (aus: Merian: Topographia Austriacarum, 1679)
Welsch und Windisch
Das 2016 gestartete Projekt Welsch und Windisch beschäftigt sich mit der Wiederentdeckung des traditionellen, deutschsprachigen Volksliedes. Im Unterschied zu Heino sieht es das deutschsprachige Volkslied jedoch nicht als Monade, sondern behauptet dialektischerweise, dass das deutschsprachige Volkslied dasjenige Volkslied ist, das sich zwischen dem welschen (= romanischen) und windischen (= slawischen) Kulturraum abspielt. Die weiterführende Behauptung ist: ohne gute Nachbarschaft ist alles nichts.
Die beiden Musikgruppen, die dem Projekt zugearbeitet haben, waren die Erdklangkapelle sowie Tikanz - die beide nie aufgelöst wurden, aber sich aufgrund der räumlichen Entfernung ihrer Mitglieder in einer Art Dornröschenschlaf befinden.
Die Erdklangkapelle wurde im April 2016 in Antweiler gegründet. Kern der Gründung war die Entdeckung der Liedersammlungen des lothringischen Pfarrers Louis Pinck, der mit dem Wachswalzenapparat uralte landschaftliche Lieder und Balladen registrierte. Das Repertoire wurde durch Eifler Volkslieder und höfische Tänze aus Belgien und Frankreich ergänzt. Die Besetzung bestand aus Lukas May an der elektrischen Harfe, Mario Messer am elektrischen Bass, Matthias May an der elektrischen Geige und mir am Schlagzeug und elektrischen Dulcimer (und alle sangen).
Tikanz wurden im November 2017 in Regensburg-Burgweinting gegründet, und explorierten die Welt des bayerischen Volksliedes. Inspiriert vom historischen Tatbestand der 'bavaria slavica', d.h. der verbreiteten slawischen Siedlungsgründung in Nordbayern, suchten sie nach stilistischen Schnittmengen zwischen bayerischer und slawischer Volksmusik. Der Gruppenname kam vom obersorbischen Wort für Kuchen, tykanc. Als Quellengrundlage dienten die Volksliedersammlungen aus der Ober- und Niederlausitz von Schmaler und Haupt von 1841. Die Besetzung bestand aus Teresa Weizenegger an Saxophon und Klarinette, Stephan Malane am Bass, Eduard Reissig an der elektrischen Orgel und am Flügelhorn, Hanne Engelhardt am Schlagwerk und mir an der elektrischen Gitarre und am Synthesizer (und alle sangen).
Beide Gruppen haben über die Jahre ungefähr 90 Minuten Musik aufgenommen, inklusive Arrangements von Volksliedern, Tanzmelodien, selbstgeschriebener Stücke und Ambientstrukturen. Diese sollten zum Album Welsch & Windisch verdichtet werden, das jedoch aus zeitlichen Gründen nie fertiggestellt wurde.
Bald kommt aber die weitestgehend zwischen 2018 und 2020 produzierte Single Mädchen, ich will Dir was aufzuraten geben (von Tikanz) b/w Ich stand auf hohem Berge (von der Erdklangkapelle) heraus.
Angeblich haben sich die Begriffe 'welsch' und 'windisch' irgendwann eine etwas pejorative Bedeutung aufgeladen. Hmm. Das Projekt möchte die beiden Begriffe rehabilitieren, da sie eigentlich etwas ganz schönes und wunderbares darstellten könnten: Spitznamen, die man guten Nachbarn gibt.